Die Geschichte der Rasse Marans
Die Marans sind eine alte französische Hühnerrasse, die vor allem durch ihre dunkelbraunen Eier weltweite Bekanntheit erlangte. Erzüchtet wurde die Rasse in der Hafenstadt Marans in der Region Poitou‑Charentes im Westen Frankreichs. Da sich der Rassename direkt von der gleichnamigen Stadt ableitet, spricht man auch in der Einzahl von Marans (diese Henne ist eine Marans).
Ursprung im Westen Frankreichs
Die Rasse Marans entstand im 19. Jahrhundert, als in der Umgebung von Marans und dem nahen Hafen La Rochelle Hühner verschiedenen Ursprungs miteinander verpaart wurden. Die Basis bildeten:
- lokale Landhühner der Region,
- über Jahrhunderte angesammelte Kampf‑ und Schiffs‑Hähne,
- und später wahrscheinlich auch importierte schwere Rassen wie der Croad Langshan
Insbesondere ist überliefert, dass englische Schiffe, die La Rochelle regelmäßig anliefen, oft Kampfhähne an Bord hatten. Die robustesten Hähne, die die Strapazen der Reise und der Kämpfe überlebt hatten, wurden bei Marans abgeladen. Teilweise wurden sie gegen Hennen getauscht, die wiederum für die Versorgung der Mannschaften mit Eiern sorgen. An Land wurden die kräftigen Hähne mit rustikalen Landhühnern gepaart, der erste Schritt in der Entwicklung der Marans.
Diese Kombination aus robusten lokalen Linien und wilderen Kämpfern trug zu einem kräftig gebauten Huhn bei, das sowohl gute Fleischleistungen als auch eine solide Legeleistung zeigte. Noch heute gibt es Linien mit kampflustigen Hähnen, die auch gegenüber Menschen aggressiv werden können. Wer Hähne schätzt, die gegenüber Greifvögeln, Füchsen und anderen Raubtieren ihre Herde verteidigen, ist hier genau richtig. Durch konsequenten Ausschluss aggressiver Hähne, wurden allerdings auch viele friedliche Linien etabliert, deren Hähne auch gegenüber Kindern völlig ruhig und ohne Aggressionsverhalten agieren.
Weiterentwicklung durch Zucht und Kreuzungen
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen weitere Zuchtlinien hinzu, darunter schwere asiatische Rassen wie Langshan (hier gibt es unterschiedliche Quellen), die neben der kräftigen Statur auch die tief braune Eierfarbe verstärken sollten.
Diese Kreuzungen führten langfristig zu einer Vielfalt an Typen. Besonders der dunkelbraune Eierfarbton – in Frankreich oft als „extra rot“ bezeichnet – wurde zum wichtigsten Selektionskriterium bei der Zuchtarbeiter.
Erste Ausstellungen & Standardisierung
Die Rasse wurde erstmals 1914 auf einer Nationalausstellung in La Rochelle vorgestellt, damals noch als „poule du pays“ („Landhuhn“/"Huhn aus der Gegend").
1929 gründeten Züchter offiziell den Marans Club de France (MCF), um die Rasse systematisch weiterzuentwickeln und zu schützen. Bereits 1931 wurde ein erster offizieller Rassestandard erstellt, der die heutigen Grundlagen des Marans‑Standards bildete.
Zeitgeschichte: Weltkriege und Rückgang
Wie viele traditionelle Nutztierrassen erlebten die Marans schwierige Zeiten während des Zweiten Weltkriegs, als viele Tiere verloren gingen und Zuchtlinien stark dezimiert wurden. Nach dem Krieg blieb die Population zunächst schwach, und einige Versuche, sie durch Kreuzungen wieder aufzubauen, führten nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen – insbesondere was die Eierfarbe betrifft
Fehlgeschlagene Kreuzungsversuche
In der Zuchtgeschichte gab es weitere Rückschläge. So berichten Quellen des Marans Club darüber, dass in den 1960er‑ und 1970er‑Jahren Versuche unternommen wurden, Marans mit anderen Hühnerrassen – darunter auch sogenannten „russischen Hühnern“ – zu kreuzen. Diese Kreuzungen führten jedoch zu einer Verschlechterung des charakteristischen Eierfarbtons, sodass viele Nachkommen wieder aus der Zucht entfernt werden mussten.
Dies unterstreicht, wie komplex und flüchtig die genetische Basis der dunkelbraunen Eier ist.
Fortschritte in den 1990ern
Erst in den 1990er‑Jahren gelang es engagierten Züchtern in Frankreich und Belgien, zusammen mit dem Marans Club den Ursprungstyp wieder stärker zu etablieren und die Rassemerkmale in der Breite zu festigen.
Internationale Anerkennung & Verbreitung
Heute sind Marans nicht nur in Frankreich verbreitet, sondern auch international bekannt. In Großbritannien wurden eigene Linien gezüchtet, teils mit nackten Läufen, wie sie im British Poultry Standard geführt werden. Der Rassestandard ist international also keinesfalls einheitlich.
In den USA wurden die "Black Copper Marans" 2011 von der American Poultry Association in den offiziellen Standard aufgenommen, was der Rasse zusätzliche Anerkennung verlieh. Aber auch hier gibt es geringe Abweichungen zum französischen Standard, etwa in der Farbe der Läufe.
Warum Marans heute so beliebt sind
Die Marans sind klassische Zweinutzungshühner. Sie legen attraktive, große, dunkelbraune Eier, die bei vielen Haltern beliebt sind. Zudem sind die Tiere ruhig und eher flugfaul. Für viele Halter schaffen sie den idealen Spagat zwischen Legeleistung und Fleischleistung.
Zusammenfassung - von kämpferischen Hafenhähnen zur beliebten Hühnerrasse
Die Geschichte der Marans ist ein klassisches Beispiel für die Entwicklung einer Hühnerrasse aus verschiedenen Landlinien. Welche Rassetiere und Kreuzungen im Detail eingeflossen sind, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Der Prozess der Erzüchtung war beeinflusst von historischen Ereignissen, internationale Seehandel und gezielter Zuchtarbeit. Vom Kreuzungsspiel mit Seemanns‑Kampfhähnen über schwere asiatische Linien bis zur Standardisierung im frühen 20. Jahrhundert haben sich die Marans zu einer weltweit beliebten Rasse entwickelt.