Die Herdenzucht

Bei der Herdenzucht läuft eine Vielzahl an Hennen mit einem Hahn oder mehreren Hähnen in einer Herde. Der oder die Hähne treten nach Belieben die Hennen.  Um eine ausreichende Befruchtungsrate der Eier zu gewährleisten und Stress für die Tiere zu vermeiden, ist auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Hähnen und Hennen zu achten (mehr dazu siehe unten). Die Bruteier werden ausgebrütet, ohne zu wissen, wer das Muttertier - oder bei mehreren Hähnen - das Vatertier ist. Die Herdenzucht ist die unter Hobbyhaltern am weitesten verbreitete Methode der Vermehrung von Hühnern. Bei der Haltung nur eines Hahnes, kann die Herdenzucht lediglich wenige Jahre betrieben werden, bevor ein blutsfremder Hahn eingekreuzt werden muss, um erste Anzeichen von Inzucht zu vermeiden. Mehr zum Thema Inzucht bei Hühnern lest ihr hier. Hält man eine große Herde von 30 Hühnern mit mehreren Hähnen und schließt weniger vitale Tiere von der Zucht aus, so lässt sich die Herdenzucht durchaus mehrere Jahrzehnte betreiben, ohne mit Inzuchtproblemen zu kämpfen zu haben.

Für wen ist die Herdenzucht geeignet?

Die Herdenzucht ist für Hobbyhalter geeignet, die ihre Hühner mit möglichst wenig Aufwand vermehren wollen und denen es weniger um ein gezieltes Züchten der Tiere geht. Wer über viele Jahre hinweg eine geschlossene Gruppe halten möchte, ohne Fremdblut einkreuzen zu müssen, benötigt ausreichend Platz, um mindestens 30 Tiere halten zu können (Daumenregel).

Für wen ist die Herdenzucht nicht geeignet?

Für ambitionierte Züchter, die ihre Tiere in eine bestimmte Richtung "verbessern" oder diese sogar ausstellen wollen, ist die Herdenzucht weniger geeignet. Die Tiere lassen sich bei dieser Zuchtmethode nur sehr langsam verbessern, da auch die weniger zur Zucht geeigneten Tiere vermehrt werden. Zudem lassen sich auftretende Defekte nicht auf einzelne Tiere als "Vererber" zurückführen, da die Abstammungsverhältnisse unklar sind.


Zu viele Hähne

Bei zu wenigen Hennen pro Hahn, werden diese zu häufig von den Hähnen getreten. Das sorgt für Stress bei den Hennen. Zudem können bei zu häufigen Tretvorgängen die Federn am Rücken und den Flügeln der Hennen beschädigt werden. Dies kann so weit führen, dass die Hennen einen komplett kahlen Rücken bekommen. Zudem kann sich bei den Hennen eine kahle Stelle am Hinterkopf entwickeln, da sie der Hahn dort beim Tretakt mit seinem Schnabel festhält. 

Zu viele Hennen

Laufen in der Gruppe zu viele Hennen, so kann sie der Hahn nicht alle in regelmäßigen Abständen treten. Dies führt zu Stress beim Hahn und zu einer schlechten Befruchtungsrate.

Das optimale Verhältnis...

...zwischen Hahn und Hennen hängt stark von der Rasse ab. Während Hähne aktiver, lebhafter Hühnerrassen leicht 15 oder gar 20 Hennen betreuen können, ist so manch schwerer Rassehahn bereits mit mehr als 3 Hennen überfordert. Bei Marans ist ein Verhältnis von Hahn zu Hennen von etwa 1:5 bis 1:10 zu empfehlen. Da Marans als Zweinutzungsrasse eher schwere Hühner sind, wird es sich kaum vermeiden lassen, dass der Hahn seinen Lieblingshennen beim Tretakt die ein oder andere Feder abtritt. Nimmt dies überhand, kann die betroffene Henne separiert werden, um sich etwas zu erholen. Sogenannte Tretsättel schützen die betroffenen Körperregionen der Henne. Es muss allerdings regelmäßig kontrolliert werden, dass sich unter dem Tretsattel keine Parasiten ansiedeln. Da sich die Hähne auch innerhalb einer Rasse oder sogar innerhalb derselben Linie unterscheiden, ist der beste Weg, das optimale Verhältnis zwischen Hahn und Henne zu finden
1. die Befruchtungsrate festzustellen und
2. die Tiere zu beobachten (tritt der Hahn alle Hennen oder nur bestimmte, entwickeln sich bei den Hennen kahle Stellen am Rücken).
 

Was muss bei der Herdenzucht beachtet werden?

 Ob er seine Hühner auf bestimmte Eigenschaften züchtet, wie Leistungsmerkmale oder das äußere Erscheinungsbild, muss jeder Halter selbst entscheiden. Es spricht nichts dagegen, sich einfach an einer bunten Hühnerschar zu erfreuen und eben keine uniforme Gruppe zu halten, bei der ein Tier dem anderen gleicht.  Doch auch die Hühnerfreunde, die die bunte Vielfalt lieben, sollten versuchen, ein Minimum an Selektion durchzuführen, um ihren Bestand gesund und vital zu halten. Wie auch bei uns Menschen, gibt es in der Hühnerwelt Schwankungen zwischen den Immunsystemen verschiedener Individuen. Das eine Huhn ist 6 Jahre alt, frei von Parasiten und war noch keinen Tag krank, während manche Junghenne von einer Erkältung zur nächsten und dann weiter zum Ballenabszess wechselt. Nebenbei wird sie noch von Scharen an Federlingen heimgesucht. Solche krankheitsanfälligen Tiere sollten nicht die Möglichkeit bekommen, diese genetische Schwäche an eine neue Generation zu vererben. Damit tut man den Tieren - aber auch sich selbst - keinen Gefallen. Wer möchte schon regelmäßig kranke Tiere separieren, Ballistol versprühen oder Tee kochen. Viele Krankheiten und Beschwerden werden von äußeren Einflüssen ausgelöst, wie

  • Erkältungen durch Bakterien und Viren,
  • Fußballenabszess durch Splitter oder Steine im Fuß sowie durch schlechte Sitzstangen,
  • gebrochene oder verbogene Brustbeine durch schlechte Fütterung oder zu schmale Sitzstangen
  • und Parasitenbefall durch ebendiese.

In einem geschlossenen Bestand werden alle Tiere nahezu denselben Bedingungen ausgesetzt. Während manche Tiere mit Beschwerden reagieren, bleiben andere gesund. Selbst wenn eine Erkältung den gesamten Bestand trifft, können Unterschiede im Krankheitsverlauf festgestellt werden. Robuste Tiere haben vielleicht etwas Ausfluss am Schnabel, bleiben aber aktiv und sind schnell wieder gesund. Tiere mit schwächerem Immunsystem zeigen oftmals weitere Symptome, wie ein geschwollenes Auge oder starkes Röcheln. Zudem sind sie weniger aktiv und sitzen mit aufgeplustertem Gefieder in der Ecke. Solche schwachen Tiere sollten von der Weiterzucht ausgeschlossen werden. Das gilt auch dann, wenn sie ansonsten über herausragende Merkmale, wie einen tollen Charakter oder ein schönes Gefieder verfügen. Doch wie lässt sich das bewerkstelligen?

  1. Die einfachste Möglichkeit, für Halter mit genug Platz und Ställen: Die Tiere, die man nicht vermehren möchte, werden während des Sammelns der Bruteier in einen anderen Stall versetzt. Anschließend können sie wieder zur Gruppe. Diese Methode funktioniert selbstverständlich ausschließlich bei Hennen, da diese ihre Eier - und damit ihr Erbgut - fortan gesondert ablegen. Hähne müssen mindestens drei bis vier Wochen vor dem Sammeln der Bruteier abgetrennt werden, da deren Sperma mehrere Wochen von den getretenen Hennen gespeichert werden kann.
  2. Eier der schwächlichen Tiere identifizieren und von der Brut ausschließen. Wer seinen Hennen nicht beim Legen auflauern will, der kann ihnen etwas Lebensmittelfarbe an die Kloake schmieren. Beim Legen überträgt sich ein Teil der Farbe (sie muss flüssig/schmierig genug sein) auf das Ei. Die gefärbten Eier werden aussortiert. Rote Farbe sollte hierbei vermieden werden, da diese die anderen Hennen zum Picken an der Kloake verleiten kann.
  3. Pragmatische Halter schlachten ihre Pflegefälle. Vor einem Verzehr sollte allerdings sichergestellt werden, dass das Tier sich zum Zeitpunkt der Schlachtung in keinem akuten Krankheitszustand befand. 

Es verbietet sich, kranke oder schwache Tiere an andere Halter abzugeben, ohne diese über diesen Umstand zu informieren. 

Wer die Möglichkeit  und ausreichend Alternativen hat, der sollte kein Tier vermehren, das jemals krank war. Auf diese Weise lässt sich über die Jahre ein vitaler Bestand aufbauen und man erspart es sich, ein Krankenhaus für Hühner zu betreiben.

Vorteile der Herdenzucht

  • sehr einfach umzusetzen
  • eine große Herde (ca. 30 Hühner) kann viele Jahre geschlossen gehalten werden, ohne in eine Inzuchtdepression zu geraten
  • es kann eine große Vielfalt an Tieren und Eierfarben erhalten werden, insbesondere, wenn man mehrere Hähne hält


Nachteile der Herdenzucht

  • eine gezielte Zucht ist schwer möglich, da die Abstammungsverhältnisse (Vater/Mutter) nicht nachvollziehbar sind 
  • bei einer kleinen Herde muss regelmäßig frisches Blut (unverwandte oder weit verwandte Tiere) eingekreuzt werden, um einer Inzuchtdepression vorzubeugen