Kunstbrut bei Marans
Besonderes Ei - besondere Herausforderung
Weshalb Marans-Eier "anders" gebrütet werden sollten
Es gibt unzählige Marans-Bestände in unterschiedlichen Ländern und bei den verschiedensten Haltern. Es liegt auf der Hand, dass diese Vielfalt eine erhebliche Varianz in der Beschaffenheit des Eis zur Folge hat. Pauschal lässt sich allerdings feststellen, dass Marans-Eier über eine besonders dicke Schale verfügen.
- dicke Schale -
Zudem legt sich über die Schale die für die Eierfarbe verantwortliche einzigartige Schleimschicht, welche in feuchtem Zustand abgewischt werden kann. Durch diese Kombination wird eine Barriere geschaffen, die den Stoffaustausch zwischen dem Eiinneren und der Umgebung erschwert. Der Vorteil liegt auf der Hand; Marans-Eier halten länger, da Bakterien und Keime schlechter in das Ei gelangen. In Bezug auf die Schlupfquoten der Nachzucht ergeben sich aber auch Nachteile.
- härterer Kampf in die Freiheit -
Dass sich Maransküken schwerer abmühen müssen, um die Schale zu durchstoßen, ist offensichtlich. Zudem ist bei Maranseiern auch die Eihaut überdurchschnittlich dick und zäh zu durchbrechen. Bei schwachen oder falsch im Ei positionierten Küken können die dickere Schale sowie die ledrige Eihaut schließlich ausschlaggebend dafür sein, dass sie es nicht aus dem Ei schaffen.
Weniger offensichtlich ist allerdings, dass durch die dickere Schale weniger Feuchtigkeit aus dem Ei entweichen und - damit einhergehend - weniger Luft in das Ei eindringen kann.
- geringerer Feuchtigkeitsverlust -
Während des Brutvorgangs muss genug Feuchtigkeit aus dem Ei entweichen, um dem Küken eine ausreichend große Luftblase für die Schlupfphase zur Verfügung zu stellen. Die Luftblase benötigt das Küken zur Atmung. Weiterhin wird der freigewordene Platz im Ei benötigt, um einen reibungslosen Schlupfablauf zu gewährleisten.
Je niedriger die Luftfeuchtigkeit außerhalb des Eis ist, desto mehr Feuchtigkeit kann aus dem Ei entweichen. Folglich sollten Marans-Eier in der Vorbrut - also bis Tag 18 oder 19 - grundsätzlich trockener gebrütet werden als Eier anderer Hühnerrassen.
Eine weitere Besonderheit der Marans-Eier liegt darin, dass sie oftmals eine rundere Form aufweisen als herkömmliche Hühnereier.
- rundere Eiform -
Die rundere Eiform ist durchaus gewollt und findet sich in einigen Rassebeschreibungen der Marans wieder. Allerdings selektieren die wenigsten Züchter auf diese kugelige Form. Wenngleich es Theorien gibt, die besagen, dass rundere Eier im Ovidukt mehr Farbe aufnehmen können. Fakt ist aber auch, dass sich zu runde Eier kontraproduktiv auf die Schlupfraten auswirken.
Wie sollte man Marans nun brüten?
Wie oben beschrieben, gibt es mehrere Ursachen für einen erschwerten Start der Marans in das Leben an der frischen Luft. Deshalb gilt grundsätzlich, was für die Brut aller anderen Hühnerrassen auch gilt, nur eben erst recht;
- einen hochwertigen Brutautomaten verwenden, der die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit konstant hält
- eine zuverlässige Wendung der Eier
- den Inkubator nach Tag 18 nur noch öffnen, wenn unbedingt erforderlich
- Die richtige Luftfeuchtigkeit entscheidet -
Entscheidend für den Bruterfolg ist allerdings die richtige Luftfeuchtigkeit im Brutautomaten. Insbesondere muss - wie oben beschrieben - eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Vorbrut vermieden werden, um einen adäquaten Flüssigkeitsverlust des Eis zu erreichen. Hierüber herrscht unter Marans-Züchtern weitgehende Einigkeit.
Unmittelbar vor und während der Schlupfphase hingegen muss auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Das ist erforderlich, damit die Eihaut geschmeidig bleibt und nicht am Küken festklebt. Ansonsten kann die Bewegungsfreiheit des Kükens derart eingeschränkt werden, dass ein Schlupf unmöglich wird.
Folgende Luftfeuchtewerte können zur Orientierung dienen:
Vorbrut (Tag 1 - 18): 30 - 45% Luftfeuchtigkeit
Tag 18 - Schlupf: 65 - 80% Luftfeuchtigkeit
Wir stellen in der Vorbrut eine Luftfeuchtigkeit von 30 - 35% ein (bei frischeren Eiern eher 30%, da bei diesen während der Lagerung noch keine Feuchtigkeit entweichen konnte, bei älteren Eiern dann ca. 35%). Zum Schlupf 70% (höhere Werte können bei unseren Rcom Geräten nicht eingestellt werden). Diese hohe Luftfeuchtigkeit ist bereits zwei bis drei Tage vor dem Schlupf erforderlich, damit die Eihaut geschmeidig bleibt. Die Eihaut wird von den Küken nämlich bereits bis zu einen Tag vor dem ersten Anpicken der Eischale durchstoßen.
Zwischen dem 12. und 14. Bruttag kontrollieren wir beim Schieren die Größe der Luftblasen und das Gewicht einzelner Eier. Sollten die Luftblasen zu klein oder zu groß sein bzw. der Gewichtsverlust des Eis zu hoch oder zu niedrig ausfallen, passen wir die Luftfeuchtigkeit an. In der Regel ist allerdings keine Anpassung erforderlich.
- Gewichtsverlust bestimmen -
Ein Brutei sollte zwischen dem Zeitpunkt der Eiablage und dem Schlupf 12% - 14% an Gewicht verlieren. Wer während des Brutvorgangs das Gewicht einzelner Eier kontrolliert, kann ggf. die Luftfeuchtigkeit im Brutautomaten anpassen, falls die Eier zu viel oder zu wenig Gewicht verlieren.
Vorgehensweise:
Im Folgenden wird die Vorgehensweise zur Gewichtskontrolle am Beispiel eines einzelnen Eis erklärt. Tatsächlich sollte man je Brutvorgang mehrere Eier kontrollieren, da diese unterschiedliche Entwicklungen des Gewichts aufweisen werden. Werden Eier unterschiedlicher Farbstufen oder gar Rassen bebrütet, sollte aus jeder Farbstufe/von jeder Rasse mehrere Eier kontrolliert werden. Am Ende wird man sich an einem Durchschnittswert orientieren müssen. Hierbei ist zu empfehlen, die Gewichtsentwicklungen der dunkelsten Eier besonders hoch zu gewichten, da diese am hochwertigsten sind und zudem die geringsten Schlupfraten erwarten lassen.
1. Eigene Bruteier am Tag der Eiablage wiegen
Als Ausgangsgewicht wird stets das Gewicht des Eis am Tag der Ablage herangezogen. Nehmen wir beispielhaft an, unser Marans Ei wiegt genau 65 Gramm.
2. Zielgewicht für Schlupftag errechnen
Wir streben einen Gewichtsverlust zum Ausgangsgewicht von 13% an.
65 Gramm x 0,87 = 56,55 Gramm
Am Schlupftag soll das Ei demnach 56,55 Gramm wiegen. Da in den letzten Bruttagen kaum mehr Feuchtigkeit entweicht, sollte dieser Zielwert an Tag 18/19 nahezu erreicht sein.
3. Eier ggf. bei Brutbeginn nachwiegen
Wurde das Brutei beispielsweise bis zum Brutbeginn bereits 14 Tage gelagert, hat es bereits Gewicht verloren. Der Gewichtsverlust während der Lagerung der Bruteier hängt von vielen Faktoren ab, wie der Beschaffenheit der Eischale, der Meereshöhe, der Raumtemperatur oder der Luftfeuchtigkeit. Grob lässt sich sagen, dass ein Marans Ei pro Tag Lagerung zwischen 0,05% und 0,1 % an Gewicht verliert. Wiegen wir unser "Beispielei" beim Einlegen in den Inkubator erneut, wiegt es nach 14 Tagen Lagerung etwa ein Gramm weniger und damit 64 Gramm. Diesen Umstand sollte man bei der Brut von zugekauften Bruteiern bedenken. Wiegt man die Eier erst, nachdem sie per Post geliefert wurden, haben sie bereits Gewicht verloren. Schlägt man hier pauschal 0,3 Gramm auf, ist das sicherlich ein Wert, der nicht allzu weit vom Gewicht am Legetag entfernt ist. Hier muss man es nicht zu genau nehmen, da die Eier ohnehin verschiedenen Alters sein werden und damit bereits unterschiedlich viel Gewicht verloren haben.
4. Linearen Gewichtsverlust pro Bruttag errechnen
Vorbemerkung:
Tatsächlich wird sich das Eigewicht nicht 100% linear entwickeln. Hieran sind Faktoren beteiligt, die wir nicht alle kennen. Zudem stellt ein absoluter Gewichtsverlust von beispielsweise 0,4 Gramm/Bruttag zu Brutbeginn bei einem 65 Gramm schweren Ei einen anderen relativen Gewichtsverlust pro Tag dar, als wenn zum Ende der Brut bei einem 57 Gramm schweren Ei 0,4 Gramm pro Tag verdunsten. Zudem verringert sich im Laufe der Brut selbst bei gleicher Luftfeuchtigkeit die Verdunstungsrate, da der Feuchtigkeitsgehalt im Eiinneren sinkt und sich somit relativ zum Brutram erhöht. Im Brutverlauf nimmt der Embryo von Tag zu Tag einen höheren Anteil des Eigewichts ein. Dieses Körpergewicht reduziert folglich die verdunstungsfähige Eimasse. In den ersten Bruttagen verdunstet somit deutlich mehr Feuchtigkeit pro Talg als gegen Ende der Brut. Diese Variablen werden der Einfachheit halber vernachlässigt. Folgende Rechnungen dienen lediglich dem Verständnis und keinesfalls als Anhalt für die eigene Brut.
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Unser Ei wiegt bei Brutbeginn 64 Gramm und soll am Schlupftag 56,55 Gramm wiegen. Dieser Wert soll bereits an Tag 18 erreicht sein, da zwischen Tag 18 und 21 kaum noch Feuchtigkeit entweichen wird. Nun errechnen wir wie folgt den gewünschten Gewichtsverlust pro Bruttag:
(64 Gramm - 56,55 Gramm) : 18 = 0,41 Gramm Gewichtsverlust/Bruttag
5. Gewichtskontrolle während der Brut
Wollen wir beispielsweise am 10. Bruttag das Gewicht des Eis kontrollieren, müssen wir das Zielgewicht für Tag 10 bestimmen: 64 Gramm - 0,41 Gramm x 10 = 59,9 Gramm
Dieser Wert versteht sich als absolute Obergrenze, da mit jedem kommenden Bruttag weniger Feuchtigkeit verdunsten wird. Liegt das Ei über diesem Wert, sollte die Luftfeuchtigkeit im Inkubator nach Möglichkeit reduziert werden. Haben einzelne Eier bereits 10% ihres Ausgangsgewichts verloren (Gewicht: 55,6 Gramm) , ist das durchaus noch im Rahmen. Haben bereits fast alle Eier 10% oder mehr verloren, kann die Luftfeuchtigkeit etwas erhöht werden. Zu beachten ist, dass ausschließlich Werte befruchteter Eier in die Bewertung einfließen. Unbefruchtete Eier verlieren nämlich schneller an Gewicht und verzerrten so die Durchschnuttswerte.
6. Erneute Gewichtskontrolle
Hat die erste Gewichtskontrolle deutliche Abweichungen von den Zielwerten ergeben, die zu einer Anpassung der Brutparameter geführt haben, können die Eier nach einigen Tagen erneut kontrolliert werden. So kann ggf. nochmals reagiert werden. Es ist besonders wichtig, eine repräsentative Zahl an Eiern zu wiegen, da sich die Gewichtsentwicklungen zwischen den Eiern stark unterscheiden können. Wir hatten bereits Bruten (alle Eier von Marans), bei denen einzelne Eier bis Tag 18 nur 7% Gewicht verloren haben, andere jedoch bis zu 30%.
7. Ab Tag 18/19 muss die Luftfeuchtigkeit hoch
Bis zum 18./19. Bruttag sollte sich das Eigewicht im Bereich unseres Idealwerts bewegen. Nach dem 18./19. Tag sind nämlich keine Anpassungen mehr möglich, da hier die Luftfeuchtigkeit im Brutautomaten auf einen hohen Wert eingestellt werden muss (siehe oben "die richtige Luftfeuchtigkeit entscheidet"). Der Gewichtsverlust fällt in den letzten Bruttagen aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit, des geringeren Eigewichts, der geringeren Feuchtigkeitsdifferenz zwischen Eiinnerem und Brutraum sowie der Größe des Kükens kaum mehr ins Gewicht.
- Oft vergessen: Luftaustausch gegen Ende der Brut -
Je größer der Embryo wird, desto mehr Sauerstoff benötigt er. Etwa am 19. - 20. Bruttag durchstößt das Küken die Eihaut und atmet bereits innerhalb der geschlossenen Eischale selbständig über die eigene Lunge. Bis dahin diffundiert der Sauerstoff durch die Poren der Eischale und wird über die Eihaut an den Embryo weitergegeben. Bereits hier funktioniert der Gasaustausch; Sauerstoff wird vom Organismus aufgenommen und CO2 abgegeben. Je größer das Küken, desto höher der Sauerstoffbedarf. Die weniger durchlässige Marans-Eierschale erschwert den Gasaustausch. CO2 verbleibt länger im Ei, Sauerstoff dringt langsamer ein. Ein hoher Sauerstoffgehalt in der Luft innerhalb des Brutautomaten ist hier essenziell. Insbesondere in der Endphase der Brut, wenn die Küken bereits mehr Sauerstoff benötigen und der Brutautomat nicht mehr geöffnet wird, besteht die Gefahr, dass Küken ersticken. Marans sind hier deutlich anfälliger als andere Rassen. Das gilt besonders für Brutautomaten mit vielen Eiern auf wenig Luftraum. Gerade, wenn der Brutautomat bis an seine Kapazitätsgrenze gefüllt ist, müssen die Lüftungsschlitze geöffnet werden, damit CO2 aus dem Automaten entweichen und frische, sauerstoffreiche Luft eindringen kann. Hier sind Motorbrüter mit automatischer Befeuchtung in der Regel im Vorteil. Diese können durch die bessere Verteilung der Luft sowie die automatische Regulierung der Feuchtigkeit auch bei geöffneten Lüftungsschlitzen ein konstantes Brutklima (hohe Luftfeuchtigkeit, stabile Temperatur) erhalten. Wir öffnen bei unserem RCOM 50 Pro DO ab etwa dem 10. Bruttag die Lüftungsschächte auf höchster Stufe und behalten dies bis zum Schlupf bei. Hierdurch dürfte der Stromverbrauch zwar minimal steigen, dafür können auf diese Weise die höchsten Schlupfraten erzielt werden.