Fragen und Antworten
In dieser Rubrik finden sich unsere Antworten auf Fragen, die uns über das Kontaktformular auf dieser Homepage erreicht haben. So findet vielleicht bereits der ein oder andere eine Antwort.
Weiter mit Linienzucht?
Zusammenfassung:
Ein Marans-Freund hat bereits Marans aus verschiedenen Linien und fragt sich, wie er am besten weiterzüchtet, um seine Ziele zu erreichen.
Frage:
Hallo,
immer wieder falle ich auf diese Seite zurück bei meinen Recherchen zu Maranshühnern. Eure Geschichte erinnert mich etwas an unsere, auch die Virusinfektion hatten wir und es sind leider zwei tolle ältere Marans Hennen gestorben 2024.
Wir hatten mit Marans schon viele Fehlschläge, teils so häufig aggressive Hähne, dass wir glaubten das sei normal, helle Eier, Tiere die einfach nicht nach Marans aussehen usw.
Letztes Jahr haben wir nochmal eine größere Menge gebrütet um es auf einen letzten Versuch ankommen zu lassen. Wir haben Tiere aus einer deutschen Zucht (Ausstellung), wo die Eifarbe eher mäßig war (ist), auch die Farbschläge sind verschieden ("da ist wohl der Hahn aus der anderen Zuchtgruppe ausgebüxt"), wir haben einen gesperbten Hahn behalten für die Olivleger sollte er durchaus brauchbar sein und 4 Hennen (2 sk, 1 bs, 1 sa).
Die andere Gruppe ist aus französischer Linie auf Eifarbe selektiert (da hatten wir 2023 schonmal Eier her, es waren aber fast nur Hähne dabei), die Tiere sind super toll und die Eifarbe wirklich dunkel (5-7 auf der Skala). Es sind blau kupfer und schwarzkupfer gefallen, die Tiere sind viel kräftiger als die Geflügelwagen Maran und sehr angenehm im Wesen, daraus haben wir 6 sk Hennen 2 bk Hennen und einen sk Hahn behalten. Der Hahn ist wesensmäßig fantastisch, da die Hennen teils sehr viel kupfer haben, haben wir den weniger gezeichneten Hahn behalten, auch war er in der Entwicklung besser als die anderen. Die Tiere stammen aus Herdenzucht (mehrere Hähne in der Gruppe).
Ich habe mich viel belesen über Inzucht bei Hühnern, da immer wieder gesagt wird (soziale Medien vorallem) Inzucht sei schlecht, allerdings weiß ich aus dem Zuchtverein, dass es das Mittel der Wahl ist wenn es um die Schaffung von Reinerbigkeit und herausarbeiten von bestimmten Merkmalen geht. Um ein eigene Bild davon zu haben habe ich mir ein paar Bücher gekauft. Letztlich steht für mich fest, Inzucht ist notwendig in der Rassezucht, sollte aber mit strenger Selektion einhergehen.
Aus dieser Überlegung heraus komme ich jetzt zu der Frage an Kenner, also euch.
Mein Plan wäre die sk Hennen mit dem Hahn zusammenzusetzen (die Möglichkeit das es Vollgeschwister sind ist zwar gegeben, halte ich aber für eher gering), ich möchte die Eifarbe erhalten, allerdings möchte ich langfristig auch diesen Typ erhalten, den die französischen Tiere haben, aber ohne das viele Kupfer. Aus dieser F1 würde ich einen Hahn behalten um ihn zurück zu verpaaren an die Mütter, die Hennen (F1) wollte ich wieder an den Vater setzen und so zwei Linien daraus ziehen. Wobei ich bei der einen mehr Aufmerksamkeit auf die Eifarbe legen will während die andere mehr Augenmerk auf das Kupfer legen soll.
Wäre das aus eurer Sicht eine clevere Vorgehensweise?
Die andere Frage ist, was mache ich mit den komplett blutsfremden Tieren? Die sind etwas kleiner, haben auch auf jeden Fall eine andere Federstruktur und die Eifarbe liegt so bei 4 (mit Sprenkeln), tatsächlich legt die saumon argente Henne recht dunkle Eier, das hätte ich überhaupt nicht erwartet.
Was würdet ihr tun?
Ich hoffe wir kommen irgendwie in Kontakt, es ist recht schwer Infos zu finden, auch über die Vorgehensweise bei Marans, da ja hier Eifarbe und Aussehen wichtig sind. Ich brauche keine Ausstellungstiere, aber total verwässern soll das Aussehen nicht. Ich komme eigentlich von der Silverudds Zucht, die ja ganz andere Ziele und Grundlagen hat (schon allein weil Inzucht ausgeschlossen wird). Ihr werdet es selber kennen. Ich bin auch nicht abgeneigt eigene Infos zu teilen, sofern ich irgendwelche besonderen Tipps geben kann.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Antwort:
Aufgrund der Länge des Textes versuche ich einmal die einzelnen Fragen zu identifizieren und getrennt zu beantworten.
1. Ist Inzucht schlecht?
Wir teilen absolut deine Meinung in Bezug auf Inzucht. Zielgerichtete Festigung erwünschter Eigenschaften funktioniert im Prinzip nur mit Inzucht. Die Verteufelung von Inzucht, von der man insbesondere in sozialen Medien liest, kommt unseres Erachtens überwiegend von mangelnder Kenntnis der Thematik. Inzucht schafft Reinerbigkeit. Dies ist zugleich positiv als auch negativ zu bewerten; erwünschte Eigenschaften können durch die erzüchtete Reinerbigkeit für immer genetisch eingeloggt werden. Die Kehrseite der Inzucht ist, dass auch für rezessive Gendefekte eine Reinerbigkeit entstehen kann. Das bedeutet, dass diese Gendefekte gezeigt werden, während sie bei blutsfremden Tieren durch ein i.d.R. vorhandenes dominantes gesundes Gen des Partners unsichtbar bleiben. Überspitzt gesagt, schafft man sich über mehrere Inzuchtgenerationen einen Teil hervorragender Tiere. Dies geschieht auf Kosten der übrigen Tiere, die die negativen Gene abbekommen haben. Dies muss man wissen, wenn man den Weg der Inzucht beschreitet. Der Schlüssel liegt in der Selektion. Tiere, die auch nur die geringste Schwäche zeigen, müssen konsequent von der Zucht ausgeschlossen werden. Am besten, man kennt noch die Elterntiere und schließt auch diese sowie die 100%-igen Geschwister aus. Am Ende des Weges, können Tiere stehen, die reinerbig auf die erwünschten Eigenschaften sind und in deren Genpool keine oder kaum Gendefekte mehr vorhanden sind. Viele geben auf, wenn die Schlupfraten sinken oder einzelne Tiere mit gezeigten Gendefekten schlüpfen (Fehlzacken im Kamm, Entenfuß, Immunschwäche etc.). Folgender Gedanke liegt nahe: "Meine Schlupfrate geht zurück, ich bin in eine Inzuchtdepression geraten und brauche frisches Blut". Tatsächlich ist dieser Gedanke oft falsch. Es hat lediglich ein Teil der Nachzucht rezessive Gene auf sich vereint und schafft den Schlupf deshalb nicht (das können u.a. Letalfaktoren sein, die zu einem zwangsläufigen Absterben der Embryonen führen). Natürlich ist irgendwann eine Sackgasse erreicht, in der tatsächlich eine Inzuchtdepression droht. Das ist der Punkt, in den man in ein Erhaltungszuchtprogramm wechseln sollte z.B. die Rotationszucht. Hierzu benötigt man mindestens drei Hähne. Wer dies nicht leisten kann, sollte es mit der Inzucht nicht übertreiben, da er ohnehin früher oder später frisches Blut einkreuzen muss. Hierdurch geht ein Großteil der geschaffenen positiven Reinerbigkeit verloren und es schleichen sich neue Defekte in den Genpool. Wenn ich mal wieder mehr Zeit habe, ergänze ich den Artikel zur Inzucht auf dieser Seite.
2. Soll ich zwei Linien aus meinen französischen Tieren schaffen?
Zunächst einmal Glückwunsch zu den deiner Beschreibung nach tollen Tieren. Du hast gute Ausgangstiere gefunden und damit ist der schwierigste Teil schon fast geschafft. Bei den Tieren solltest du immer im Hinterkopf haben, dass sie verdeckt (nicht im Phänotyp) die blau-kupferne Farbe tragen können (also im Genotyp). Das ist prinzipiell unproblematisch, solange immer schwarz-kupferne Tiere miteinander verpaart werden (schwarz x schwarz gibt immer schwarz). Eine einmalige Verpaarung von Vollgeschwistern ist unproblematisch. Es gibt sogar Zuchtprogramme, die über mehrere Generationen Verpaarungen von Vollgeschwistern vorsehen, bevor in die Erhaltungszucht gewechselt wird.
Die Schaffung zweier Linien nach der von dir beschriebenen Vorgehensweise ist keine schlechte Idee. Es wird bestimmt Unterschiede zwischen deinen sechs sk Hennen geben. Empfehlenswert wäre es auch hier zu selektieren und nur die besten oder ggf. die beste - wenn herausragend - Henne zu verwenden. Fraglich ist, wie du weiter machst, wenn deine beiden Linien am Ende sind (Ausgangstiere zu alt oder verstorben und/oder viele Generationen der Rückkreuzung). Hier gibt es zwei Optionen:
1. Kreuzung der beiden Linien und erneute Linienzucht
Das geht eine ganze Weile gut, aber irgendwann erreicht man mit nur zwei Linien einen genetischen Flaschenhals. Hier müsste zumindest eine dritte Linie her.
2. Wechsel in Rotationszucht
Ich persönlich würde wie folgt vorgehen: Beide Linien für ein paar Generationen fortführen. Dann wird verglichen, welche Linie die bessere ist. Mit dieser wird in die Rotationszucht gewechselt und du kannst sie dir lange Zeit erhalten. Das funktioniert natürlich nur, wenn man in der Lage ist, ausreichen Tiere zu halten.
Es sollte aber auch immer ein guter Plan B in der Hinterhand sein. Linien, die auf einzelnen Tieren basieren, sind schnell zu Ende, wenn diese Einzeltiere nicht mehr verfügbar sind.
3. Soll ich mich bei den beiden Linien auf unterschiedliche Merkmale fokusieren?
Es ist immer einfacher, an einem Merkmal zu arbeiten als an vielen gleichzeitig. Doch was tust du, wenn du in einer Linie einen tollen Kupferanteil erreichst und dir die Eierfarbe verloren geht. In der anderen Linie ist die Eierfarbe toll, aber der Standard hat gelitten. Natürlich kann man hoffen, dass in der einen Linie eine Reinerbigkeit auf die richtige Farbe und in der anderen eine Reinerbigkeit auf dunkle Eier erreicht wurde. Werden diese nun gekreuzt, hat man theoretisch alles und muss nur noch gut selektieren. Tatsächlich wird das nicht so gut funktionieren, da sowohl die Eierfarbe als auch die Zeichnung von vielen verschiedenen Genen geprägt sind. Man geht davon aus, dass an der Eierfarbe sowohl dominante als auch rezessive Gene beteiligt sind - das macht es nicht leichter.
Wer den Aufwand nicht scheut, sollte so viele Küken wie möglich ausbrüten. Es werden einzelne Hennen dabei sein, die tolle Eier legen und einen guten Kupferanteil haben - genau von diesen sollte gebrütet werden und nur von diesen. Wenn das nur auf zwei von 200 Tieren zutrifft, dann ist das so. Dann werden sich 198 Tiere nicht fortpflanzen (überspitzt gesagt). Ich würde versuchen in beiden Linien den Spagat zwischen Standard und Eierfarbe zu schaffen, mich am Ende für eine Linie entscheiden und diese in einem Rotationsprogramm/Zuchtkreis erhalten. So würde ich es machen. Das muss selbstverständlich nicht zwangsläufig auch für dich passen. Du bist gut belesen und findest bestimmt den richtigen Weg. Wenn ich dabei eine Hilfe sein konnte, dann freut mich das.
4. Was mache ich mit den komplett blutsfremden Tieren?
Diese würde ich nicht zur Zucht verwenden. Du hast deutlich bessere Tiere, konzentriere dich auf diese.