Hühnerzucht - was heißt das eigentlich?
- Definition des Terminus "Tierzucht" durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft:
"Als Tierzucht bezeichnet man alle Maßnahmen zur Verbesserung und Erhaltung der genetischen Eigenschaften von Nutztieren. Grundsätzlich werden dabei Tiere mit gewünschten Eigenschaften – die also einem vorher formulierten Zuchtziel entsprechen – miteinander verpaart."
Diese Definition bezieht sich auf die Zucht von Nutztieren im Allgemeinen (insbesondere die gewerbliche), lässt sich aber ohne Weiteres auf die Hühnerzucht übertragen.
Was unterscheidet nun einen Hühnerzüchter von einem "normalen" Hühnerhalter, der seine Hennen brüten lässt oder befruchtete Eier im Inkubator ausbrütet, um sich neue Eier- und/oder Fleischlieferanten nachzuziehen? Der Züchter hat den Idealtypus eines Huhns im Kopf und nutzt eine oder verschiedene Zuchtmethoden, um diesem Zuchtziel jede Brutsaison ein Stück näher zu kommen. Sein wichtigstes "Werkzeug" ist dabei die Selektion. Hierbei werden nur die besten Tiere für die Weiterzucht verwendet. Auf diese Weise (keine blinde Vermehrung) kann es gelingen, seine Tiere in jeder Generation ein Stück weit dem Zuchtziel anzunähern.
- Rassestandard
Für alle anerkannten Hühnerrassen, welche in Deutschland in Ausstellungen/Schauen gezeigt werden dürfen, gibt es einen verbindlichen Rassestandard. (Den Rassestandard der Marans gibt es hier).
Wer eine anerkannte Rasse züchtet, sollte sich zu oberst an diesem Rassestandard orientieren. Das heißt aber nicht, dass ihm jegliche Möglichkeit genommen wird, seine Zuchttiere nach seinen eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Denn der Rassestandard lässt bei seinen Vorgaben oftmals Spielräume für die Interpretation des Züchters. So ist für die Rasse Marans im Farbschlag schwarz-kupfer beispielsweise vorgegeben, dass der Halsbehang von Hahn und Henne von kupferner Farbe sein muss. Hierbei sind durchaus verschiedene Farbnuancen des Kupfertons erlaubt z.B. ein dunkles, rotes Kupfer (kein Mahagoni) oder ein helleres, fast orangenes Kuper (nicht gelb, gold oder strohig).
Daneben gibt es Eigenschaften, zu denen der Rassestandard i.d.R. keine Vorgaben macht, wie Legeleistung, Zutraulichkeit, Brutfreude etc.
Grundsätzlich ist es natürlich jedem selbst überlassen, ob er Hühner einfach nur hält und vermehrt oder sie nach einem Rassestandard oder seinen ganz persönlichen Vorstellungen züchtet. Wer verschiedene Zuchttechniken kennenlernen möchte, liest einfach weiter.
Zuchtmethoden
Vorwort
Bevor man sich Gedanken über verschiedene Zuchtmethoden macht, sollte man kurz innehalten und sich vor Augen führen, was man - rein biologisch betrachtet - bewirken möchte. Das Ziel jeder Zucht ist es, Hühner auszubrüten, die die erwünschten Eigenschaften aufweisen. Diese Eigenschaften sind in der Genetik der Tiere verankert. Auf weitere Einflussfaktoren, wie Umwelteinflüsse und Haltungsbedingungen wird in einem gesonderten Artikel eingegangen. Will der Züchter die Eigenschaften seiner Tiere bewusst beeinflussen und nicht per Zufall erreichen, muss er deren Genetik kennen, verändern und festigen. Deshalb empfehlen wir, sich vor der Festlegung auf eine Zuchtmethode mit den Grundlagen der Genetik und Erbgänge beim Huhn zu beschäftigen.
Herdenzucht
Der Klassiker unter den Hobbyhaltern. Alle Hennen und Hähne werden zusammen in einer Herde gehalten. Bruteier werden gesammelt, ohne zu Wissen, wer die Mutter und - bei mehreren Hähnen -der Vater ist.
Linienzucht
Der Klassiker unter den Rassegeflügelzüchtern. Die Nachkommen eines herausragenden Rassevertreters werden über mehrere Generationen an diesen zurück verpaart, um dessen Genetik im Bestand anzuhäufen - ihn sozusagen zu klonen.
Rotationszucht
Die Rotationszucht ist die Methode der Wahl, wenn man über Jahre oder Jahrzehnte hinweg einen geschlossenen Bestand halten will. Blutauffrischungen sind grundsätzlich nicht erforderlich. Vor der Brutphase müssen mindestens drei Gruppen voneinander getrennt gehalten werden.