Winterhaltung von Marans - Licht oder nicht?

Künstliches Licht im Winter bei Marans – sinnvoll oder schädlich?

Warum Marans im Winter meist keine Eier legen – und welche Rolle künstliche Beleuchtung spielt.

Marans gelten als robuste, ursprüngliche Hühnerrasse – bekannt für ihre dunklen Eier, ihren ruhigen Charakter und ihre enge Bindung an natürliche Jahreszyklen. Viele Halter stellen jedoch jedes Jahr die gleiche Frage:

"Warum legen Marans im Winter kaum oder gar keine Eier – und kann künstliches Licht das ändern?"

Dieser Artikel erklärt die biologischen Hintergründe, räumt mit Mythen auf und zeigt Vor- und Nachteile künstlicher Beleuchtung speziell bei Marans.

Warum legen Marans im Winter keine Eier?

Dass Marans im Winter kaum legen, ist kein Zufall und kein Haltungsfehler, sondern biologisch bedingt.

1. Tageslänge steuert den Hormonhaushalt
Hühner reagieren extrem sensibel auf die Tageslichtlänge. Sinkt diese unter etwa 12–13 Stunden, reduziert der Körper die Ausschüttung von:

- Gonadotropinen
- Östrogen
- Progesteron

Die Folge: Der Legeapparat fährt herunter.
Marans reagieren hier deutlich stärker als Hybridhennen oder reine Legerassen und klassische Winterleger. Gerade ältere Hennen beginnen teilweise schon in Juli mit der Mauser und fangen erst ab Februar wieder an zu legen.

2. Marans sind eine spät reifende, schwere Rasse
Im Vergleich zu Legehybriden/Legerassen:
- langsamer Stoffwechsel
- stärkere Körpermasse
- dickere Eischalen
- genetisch auf Saisonalität ausgelegt

Eine Winterpause ist bei Marans rassetypisch und nicht ungewöhnlich.

3. Mauser, Regeneration und Energiesparen
Die Legepause und der Winter sind für Marans eine Phase von:

- Gefiedererneuerung
- Aufbau von Mineralstoffreserven
- Regeneration des Legeapparats

Ein dunkles Marans-Ei ist biologisch teuer – der Körper produziert es nur, wenn die Bedingungen optimal sind.

Künstliches Licht im Winter – was bewirkt es?
Durch künstliche Beleuchtung lässt sich die Tageslänge verlängern. Der Organismus der Hühner reagiert und stellt sich auf den Beginn einer neuen Legeperiode ein. Ebenso steigen Libido und Befruchtungsleistung der Hähne. Typisch sind etwa 13–14 Stunden Lichtunterstützung. In der kommerziellen Hühnerhaltung dürfen 16 Stunden Kunstlicht am Tag nicht überschritten werden, um die Tiere nicht zu überlasten.

Die Frage ist nicht, ob Marans hierdurch zum Legen animiert werden können,  sondern zu welchem Preis.

Vorteile künstlicher Beleuchtung bei Marans
- Eier auch im Winter
- Planbarkeit durch konstante Lichtzeiten
- gleichmäßiger Tagesablauf im Stall
- wirtschaftlicher Nutzen

Diese Vorteile können für Selbstversorger oder Zuchtbetriebe mit Verkaufszielen relevant sein. Aber auch für zielorientierte Züchter, die auf Verpaarungen bestimmter, herausragender Tiere angewiesen sind oder Linien auf bestimmte Tiere aufbauen.

Nachteile und Risiken – besonders bei Marans
- Bei Marans, die ohne Winterpause durchlegen müssen, besteht das Risiko einer verkürzten Lebens- und Legezeit.

- Künstliches Licht kann langfristig die Eierfarbe verschlechtern, da
         + Pigmentdrüßen durch eine kürzere Legepause unvollständig regenerieren 
         + Eier im Laufe der Legeperiode aufhellen. Je länger die Legeperiode, desto heller die Eier zu
            deren Ende.
         + durch künstliche Verzerrung genetisch hochwertige Hennen (dunkles Ei, aber auch kürzere
             natürliche Legepause) züchterisch schlechter von schwächeren Hennen unterschieden
             werden können

- Höheres (aber trotzdem noch geringes) Risiko für Legedarmentzündungen & Legenot durch 
  gesteigerte Beanspruchung 

Künstliches Licht bei Marans – ja oder nein?

Für wen es nicht empfehlenswert ist:
- Halter, die maximal dunkle Eier möchten und dafür im Winter auf Eier verzichten können
- Liebhaber ursprünglicher Linien
- Halter mit Fokus auf Tiergesundheit und Langlebigkeit
- Halter, die über viele Jahre hinweg einen persönlichen Bezug zu ihren "Haustieren" anstreben

Für wen es sinnvoll sein kann:
- Halter, die neben Marans weitere Hühner halten, bei denen eine Lichtunterstützung
  zielführender ist z.B. Legehybriden oder aktive Rassen mit schnellem Stoffwechsel
- Züchter, die auf die Eier bestimmter älterer Tiere angewiesen sind oder die
  Befruchtungsleistung - gerade älterer Hähne - steigern wollen
- Züchter, die früh im Jahr brüten müssen, damit die Tiere zu den Ausstellungen im Herbst fertig
  entwickelt sind
- Halter, die ihre Tiere als Nutztiere erachten und eine Nutzungsdauer von etwa 3 - 4 Jahren bei
  idealem Nutzwert veranschlagen


Alternative: Winterruhe akzeptieren
Nach der ersten Legeperiode kommen die besten und dunkelsten Eier nach einer echten Winterpause.
Alternativen zum Kunstlicht:
- hochwertiges Winterfutter (tagsüber Pellets, abends Körner)
- ausreichend Protein während der Mauser
- Ruhe im Stall
- keine Leistungsforderung im Winter

Das Ergebnis im Frühjahr:
- vitale Hennen
- stabilere Eierfarbe
- längere Legekarriere über viele Jahre

Mythos
Der Mythos:
„Marans brauchen im Winter Licht, damit sie ausreichend Futter aufnehmen. Wenn sie nachts 15 Stunden im Dunkeln sitzen, haben sie bereits nach 9 Stunden alles Futter verdaut und werden danach hungernd und frierend ausgezehrt“.
Diese Aussagen halten sich hartnäckig – sind aber in dieser Form falsch, zumindest bei Marans.

Woher kommt dieser Mythos?
Zum einen wird argumentiert, dass das Bankivahuhn - als Mutter aller Hühnerrassen - in der Nähe des Äquators keinen kalten Temperaturen oder langen Dunkelphasen ausgesetzt war. Hier wird allerdings verkannt, dass alte Rassen, wie Marans oder ihre "Vorstufen", bereits seit Jahrhunderten in unseren Breitengraden domestiziert sind. Die Tiere konnten ihren Stoffwechsel ihrer Umgebung anpassen, was durch Selektion der robustesten Hühner unterstützt wurde. Kunstlicht wurde hier nicht eingesetzt.

Zum anderen stammt der Mythos nicht aus der Rassezucht, sondern aus der industriellen Legehennenhaltung:
- Hochleistungs-Linien (Hybriden)
      - extrem hoher Stoffwechsel
      - hormonell dauerhaft im Legemodus
      - Dauerleistung ohne natürliche Pausen, fast jeden Tag ein Ei, das im Verhältnis zum
        Körpergewicht unnatürlich schwer ist
      - hochaktive Tiere
-> Futteraufnahme tatsächlich limitiert durch Zeit, nicht durch Bedarf

Dort gilt:
Durch Heterosiseffekt erzielte Legewut = hoher Energiebedarf -> mehr Licht = mehr Zeit um zu Fressen und den Energiebedarf zu decken = Leistung und Körpergewicht bleibt stabil

Diese zutreffende Logik kann nicht unreflektiert auf Marans übertragen werden.
Bei Marans gilt:
- natürliche Legezyklen am Jahresrhythmus orientiert
- Rasse tendiert eher zum Verfetten als zum Auszehren
- langsamer Stoffwechsel (sonst würden sie ja nicht zum Verfetten tendieren)
- Stoffwechsel fährt im Winter herunter, wie bei vielen Tieren, die an unsere Breitengrade   
  angepasst sind (geringere Verfügbarkeit von Futter, kürzere Tage)
- keine Eier im Winter und weniger Aktivität = geringerer Energiebedarf
-> können ihren Energiebedarf auch an kurzen Wintertagen decken

Weiterer klassischer Denkfehler:
Eine legende Henne ist gesund -> eine Henne, die nicht legt, ist nicht fit -> mit Kunstlicht legt die Henne mehr -> mit Kunstlicht ist die Henne gesünder

Bei Marans passiert im Winter:
- Rückbildung des Legeapparats
- Regeneration der Pigmentdrüsen
- Aufbau von Mineralreserven
- Gefiederaufbau (Mauser oder Restmauser)

All das benötigt keine erhöhte Futtermenge, sondern Zeit und Ruhe. Mehr Licht kann diesen Zustand bei Marans sogar stören durch:
- vorschnelle Aktivierung des Legeapparats
- hormonellen Konflikt mit Winterstoffwechsel
- unvollständige Regeneration

Fazit

Künstliches Licht kann Marans im Winter zum Legen bringen – aber es widerspricht dem Wesen dieser Rasse. Wer Wert auf langlebige (Zucht-)Tiere legt, sollte die Winterpause nicht als Problem, sondern als notwendige Phase verstehen. Wer Marans als Haustiere hält und eine persönliche Bindung zu ihnen aufbaut, fährt ohne Licht oft besser und hat länger Freude an seinen Tieren. Wer Marans als Nutztiere hält und eine Nutzungsdauer von 3 bis 4 Jahren erwartet, erhält mit Kunstlicht deutlich mehr Eier, insbesondere ab dem zweiten Legejahr. Die Legeleistung älterer Hennen lässt sich nahezu verdoppeln, dafür werden hellere Eier gelegt.

Wenn Licht, dann richtig!

Wer sich dafür entscheidet, die Leistung seiner Hühner durch Kunstlicht zu steigern, ist es ihnen auch schuldig, dieses bewusst und korrekt einzusetzen. Das bedeutet:
- Einlesen in die Thematik, bevor vorschnell ein willkürliches Licht installiert wird
- für Vogelaugen optimiertes Leuchtmittel verwenden
- kein abruptes An-/Aus, sondern Simulation von Dämmerungsphasen
- Lichtprogramm behutsam starten und Lichtdauer nicht schneller als eine Stunde pro Woche
  erhöhen oder reduzieren
- keine Kunstlicht, bevor die Mauser nicht vollständig abgeschlossen ist

Wir setzen künstliches Licht nur dort ein, wo es züchterisch erforderlich ist, um unseren Bestand fortzuentwickeln. Die Masse unserer Tiere erhält im Winter kein Kunstlicht. Das Titelbild zeigt einen vom Hauptstall abgetrennten beleuchteten Bereich für die Zuchttiere. Der Hauptstall ist unbeleuchtet.

Welches Licht wir einsetzen, lest ihr in diesem Artikel.