Rotationszucht

Bei der Rotationszucht werden i.d.R. mindestens drei Gruppen an Hennen gehalten. Drei Gruppen gelten als Untergrenze. Je mehr Guppen und damit Vaterlinien, desto besser. Die Hennen müssen entweder ganzjährig getrennt gehalten (was sehr aufwendig ist) oder eindeutig markiert werden (z.B. mit einem Fußring). Sind die Tiere eindeutig markiert, können sie zur Brutsaison separiert werden und den Rest des Jahres gemeinsam in einer großen Gruppe laufen.

Ablauf der Rotationszucht

Nennen wir unsere drei Gruppen an Hennen Gruppe schwarz,  rot und gelb. In jeder Gruppe läuft ein Hahn mit. Nennen wir sie Hahn schwarz,  rot und gelb. 

1. Zuchtjahr

Hahn schwarz wird mit den Hennen in Gruppe schwarz verpaart, Hahn rot mit den rot Hennen und Hahn gelb mit den gelb Hennen. Die Küken werden entsprechend der Gruppe markiert, in der sie geschlüpft sind. Sie bekommen also einen schwarzen, einen roten oder einen gelben Ring. Die weibliche Nachzucht verbleibt immer und ausnahmslos in der Gruppe ihrer Mütter. Gelbe Küken blieben also bei den gelben Hennen. Die Hähne hingegen wandern immer eine Gruppe weiter. Der beste schwarze Hahn wird also zu den roten Hennen gesetzt. Der rote Hahn kommt zu den gelben Hennen und der gelbe Hahn zu den schwarzen Hennen.

2. Zuchtjahr

Hahn gelb wird mit den Hennen der schwarzen Gruppe verpaart. Hahn rot wird mit den gelben Hennen verpaart. Hahn schwarz wird mit den roten Hennen verpaart. Der Nachwuchs bekommt wieder die Ringfarbe der Mütter. Alle weiblichen Nachkommen verbleiben in der Gruppe ihrer Mütter. Die männlichen Nachkommen werden entweder nicht für die Zucht eingesetzt oder treten an die Stelle des Althahns, der ihre Ringfarbe trägt. Der entsprechende Althahn wird damit abgelöst und nicht mehr für die Weiterzucht verwendet.

3. Zuchtjahr

Der gelbe Hahn kommt zu den roten Hennen, der rote Hahn zu den schwarzen Hennen und der schwarze Hahn zu den gelben Hennen. 

Und so weiter und so weiter...

So wiederholt sich das Spiel Jahr für Jahr: die Hennen bleiben in der Gruppe, in der sie geschlüpft sind und die Hähne wandern eine Gruppe weiter. Je mehr Gruppen gehalten werden können, desto nachhaltiger ist das System. Bei drei Gruppen kann bereits über Jahrzehnte gezüchtet werden, ohne in die Sackgasse einer Inzuchtdepression zu geraten. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass krankheitsanfällige Tiere oder Tiere mit geringer Vitalität konsequent von der Zucht ausgeschlossen werden.

Für die Rotationszucht benötigt man auf jeden Fall Platz. Zu bedenken ist, dass für jede Gruppe mindestens ein Ersatzhahn gehalten werden sollte. Ein Hahn ist schnell von einem Raubtier getötet oder kann auch einmal einer Krankheit erliegen.

Soll die Rotationszucht für sehr lange Zeit durchgeführt werden, sollte mit möglichst vielen Gruppen gearbeitet werden. Zudem ist es ratsam, auch einmal Hennen zu rotieren. Warum das? Es existieren geschlechtsgebundene Merkmale, die ausschließlich von der Henne oder ausschließlich vom Hahn vererbt werden. Bleiben die Hennen immer in denselben Gruppen, können die mütterlich (maternal) vererbten geschlechtsgebundenen Merkmale nicht über die verschiedenen Gruppen hinweg ausgetauscht werden. Dies kann zu einer genetischen Verarmung auf dem betroffenen Genom führen.

Wer im heimischen Garten keine Rotationszucht leisten kann, hat die Möglichkeit sich einem Zuchtkreis anzuschließen. Hierbei betreiben mehrere Züchter gemeinsam eine Rotationszucht. Sie geben ihre Hähne stets an den nächsten Züchter weiter (in einer bestimmten Reihenfolge im Kreis, deshalb der Name Zuchtkreis).